18.09.2026 / 5 min Lesezeit
Wie entstehen Ihre Ideen? Und warum werden die Niederlassungen so aufwendig gestaltet?
Ich frage zunächst Mr. Wash-Chef Richard Enning, ob er eine Wunsch-Vorstellung für die Niederlassung hat. Das ist nicht immer der Fall. Deshalb schaue ich mir die Baustelle in Ruhe an und lasse den Raum auf mich wirken. Anschließend recherchiere ich: Was prägt das Viertel? Wofür ist die Stadt bekannt?
Unsere Gestaltung verändert natürlich nichts an der Qualität der Autowäsche. Sie beeinflusst aber die Wahrnehmung der Kunden positiv – meist ganz unterbewusst. Ich versuche, einem eher funktionalen Industrieraum eine besondere Atmosphäre zu geben. Das Kerngeschäft bleibt dabei unbeeinflusst. Deshalb habe ich in der Gestaltung relativ große Freiräume.
Wenn es um Statik, Brandschutz oder Fluchtwege geht, bekomme ich die wichtigen Informationen von Detlef Bertram, Bauleiter der Mr. Wash AG.
Wenn in Heidelberg also ein Wald gewünscht ist, die Bäume aber aus statischen Gründen nicht auf dem Büro befestigt werden können, hängen wir sie eben von der Decke ab.
Keine unserer Lösungen kommt von der Stange. Meine Kollegin Giuseppina Krone ist dabei meine wichtigste Sparringspartnerin. Sie ist mit mir auf den Baustellen unterwegs und kümmert sich um Lieferanten und Termine.
Dabei lernen wir nicht nur viele interessante produzierende Gewerke kennen, sondern auch die Geschichten hinter ihren Produkten.
Die Ketten in der Saugerhalle in Mülheim haben wir zum Beispiel vor Jahren auf einer Messe entdeckt. Sie werden in einem Familienbetrieb in der Nähe von Barcelona produziert. Solche Eindrücke bleiben im Kopf und irgendwann ergibt sich die passende Gelegenheit, sie einzusetzen. Wichtig ist, diese Inspirationen zu sammeln. In gewisser Weise sind wir ständig auf der Suche nach neuen Ideen. Fast wie Trüffelschweine.
Eine Idee zu haben ist das eine. Ich kann mir gut vorstellen, wie es am Ende aussehen soll, denke aber zunächst noch nicht an alle Details der Umsetzung.
Als in Dortmund ein Innenreinigungsband stillgelegt wurde, entstand in der ehemaligen Grube ein Wasserlauf. Dazu kam das Thema Birke, das sich sogar in der Gestaltung der Kaffeetheke wiederfindet.
Für den Schreiner war das zunächst eine Herausforderung, weil hier kaum mit Standardlösungen gearbeitet werden konnte.
Oder die Lichtinstallation in der Staubsaughalle Duisburg: da haben mich die Elektriker verflucht, die Installation besteht aus über 500 Teilen ...
Gleichzeitig macht es vielen Gewerken auch Spaß, einmal etwas umzusetzen, das aus der Reihe tanzt.
Es sind großartige Teams, die meisten Dienstleister arbeiten schon sehr lange für Mr. Wash und wir probieren oft erst einmal aus, um festzustellen, ob etwas funktioniert oder nicht.
Das war zum Beispiel in Münster der Fall. Ich wollte riesige Acrylscheiben unter das Tankstellendach hängen. Die ersten Muster sahen toll aus, allerdings fanden die Tauben das auch. Und bevor unsere Kundschaft von unter deren Hinterlassenschaften anschauen muss, entwarf ich die großen Blätter die jetzt die Anlage verschönern.
Gibt es Einschränkungen?
Ein festes Budgetlimit habe ich nicht. Da wir darauf achten, vorwiegend mit Unternehmen aus Deutschland, bzw. Europa zusammen zu arbeiten, müssen Ausführungen manchmal angepasst werden, um die Kosten nicht zu sprengen. Allerdings gab es einmal einen besonderen Ausreißer, den ich so wohl kein zweites Mal umsetzen darf. Obwohl er wirklich beeindruckend aussieht. In Kassel habe ich eine Wand mit flüssigem Kupfer besprühen lassen. Das Ergebnis ist großartig, allerdings auch sehr teuer.
Kurz danach sollte eine Wand in Aachen gestaltet werden. 600 qm, einzige Vorgabe: kein Kupfer!!! So habe ich in der Graffiti-Szene recherchiert und dann wurde dieses riesige Motiv von Henning Hüttner aus Köln entworfen und gesprüht. Daraus wurde eine inspirierende Zusammenarbeit, die bis heute anhält.
„Annette lernte ich im Sommer 2018 kennen. Sie rief mich an und fragte, ob ich Lust hätte, eine Wand für sie zu gestalten – ca. 100m breit und 6m hoch – mir fiel vor Freude glatt der Hörer aus der Hand, weil ich noch nie in dieser Größenordnung eine Auftragsarbeit umgesetzt hatte und nahm natürlich dankend an.
So kam es, dass wir beide zusammen das Miami-Design für Aachen ausgetüftelt haben. Die Umsetzung vor Ort kam einem endlosen Workout gleich – also ins Fitnessstudio ist nach der Arbeit keiner mehr gegangen – und das Endergebnis ist echt der Knaller geworden!
Das war der Beginn für viele weitere wunderbare Projekte mit Annette und Richard zusammen – und vor allen Dingen der Beginn einer tollen Freundschaft. Vielen herzlichen Dank.“
Henning Hüttner
ist Geschäftsführerin der d.sign Werbeagentur GmbH in Mülheim an der Ruhr.
Neben der Gestaltung der Kundenbereiche und der Sozialräume, unterstützen ihre 6 Mitarbeiterinnen als Fullservice Agentur Mr. Wash in der Umsetzung von Print- bis Onlineprojekten.
Dieser Artikel erschien in der RUNDUM 17 im Mai 2026
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