04.09.2026 / 5 min Lesezeit
Der Polo, dessen Schrammen und Aufkleber viele Geschichten erzählen, wird zum Kunstwerk in unserer Niederlassung in Köln. Im Interview erzählen Annette Blattner, Inhaberin der d.sign Werbeagentur, und Fabian Raphael, ein bekannter WDR 2 Radiomoderator, wie die Aktion ins Rollen kam und was mit dem Fahrzeug geschehen wird.
Herr Raphael, Mr. Wash hat 10.000 Euro für den Polo an das WDR 2 Weihnachtswunder gespendet. Wieviel war ihr Fahrzeug wirklich wert?
FR: Keine 30 Euro. Jede neue Ladung Wischwasser war schon eine Investition. Der Wagen war ein wirtschaftlicher Totalschaden. Den Blinker musste ich mit Tesafilm befestigen, auf Lack und Dichtungen wuchs Moos, das Kassettendeck war defekt. Die Windschutzscheibe hatte einen Riss, der Motor war kaputt. Aber: Der Wagen hat mich unfallfrei 460.000 Kilometer durch Europa begleitet, mal zu zweit, mal zu viert.
Ich habe den Polo 2001 im Sauerland gekauft – dort braucht man eben ein Auto. Große Ausstattung hatte er nie. Die Frontscheibe war irgendwann bunt von aufgeklebten und wieder entfernten Vignetten. Für mich war das Auto immer ein Gebrauchsgegenstand. Und jede Macke erzählte eine eigene Geschichte.
AB: Als wir den Wagen zu Mr. Wash gebracht haben, mussten wir ihn tatsächlich mit Muskelkraft in die Reinigung schieben. An der Lanze in der Außenwäsche sind noch Teile abgefallen.
FR: Deshalb stand der Polo schon seit einem Jahr in der Werkstatt meines Vertrauens. Ich habe mich nicht getraut, dort anzurufen. Es war mit Herzschmerz verbunden, als ich gemerkt habe, dass ich das Auto nicht mehr brauche. Am Ende gab es nur zwei Optionen: Schrottplatz oder ich verschenke ihn gegen eine Spende an das WDR 2 Weihnachtswunder.
Das WDR 2 Weihnachtswunder ist eine große Spendenaktion des Radiosenders WDR 2.
5 Tage lang spielen vier WDR 2 Moderatorinnen und Moderatoren rund um die Uhr nur Spenden-Wunschhits der Hörerinnen und Hörer. Die Spenden gehen an die Aktion Deutschland Hilft und damit an Projekte gegen den Hunger in der Welt und an die Tafeln in NRW.
Sehr viele Menschen in ganz NRW starten dafür eigene Spendenaktionen in ihrem Umfeld. Viele von ihnen bringen den Ertrag persönlich zum WDR 2 Glashaus, um hier gemeinsam mit dem ganzen Land die gute Sache zu feiern.
Beim WDR 2 Weihnachtswunder 2025 in Essen kamen dabei unfassbare 15.644.256 Euro zusammen – ein neuer Rekord für die Aktion.
Frau Blattner, wie sind Sie dann auf den Wagen aufmerksam geworden?
AB: Ich habe im Radio gehört, dass der Wagen gegen eine Spende für das WDR 2 Weihnachtswunder abgegeben wird, und mir war sofort klar, dass wir ihn haben müssen. Wir wollten spenden und etwas schaffen, das bleibt. Also habe ich Mr. Wash-Chef Richard Enning angerufen und ihm meine Idee vorgestellt.
Am nächsten Morgen früh um 5.15 Uhr habe ich WDR 2 angeschrieben und schon am nächsten Tag konnte ich mich selbst im Radio hören.
FR: Uns haben unglaublich viele Vorschläge erreicht. Die Feuerwehr aus Erwitte wollte mit dem Wagen Rettungsübungen durchführen. Kurz darauf meldete sich eine Frau aus Hagen, die der Feuerwehr stattdessen ihr eigenes Auto spenden wollte. So entstand sogar die Idee für eine gemeinsame Übung der Wehren Hagen und Erwitte. Es gab aber auch humorvolle Vorschläge. Etwa das Auto in einen riesigen Blumenkübel zu verwandeln.
Warum fiel die Entscheidung schließlich auf Mr. Wash?
FR: Das Auto war immer wieder mal Thema in unserer Sendung. Die Hörerinnen und Hörer haben mitgefiebert – etwa vor jedem TÜV-Termin. Dadurch wurde der Polo im Westen bekannt und viele haben sich ab und zu erkundigt: was macht eigentlich Fabians Polo?
Dann hatten wir die Idee, dass ich das Auto ja gegen eine Spende im Radio verschenken könnte und haben geschaut, was passiert ...
Die Idee von Mr. Wash, das Auto nicht zu zerstören, sondern als Kunstwerk zu erhalten, hat mich sofort überzeugt. Und dass dabei so viel Geld für den guten Zweck zusammenkam, war natürlich großartig.
Der Polo soll jetzt in Köln bleiben. Was genau passiert mit ihm?
AB: Ursprünglich planten wir das Projekt für Krefeld. Doch die Umsetzung dort dauert noch lange. Richard Enning ist noch am gleichen Tag zu den Niederlassungen in Köln gefahren und hat dort die perfekte Wand gefunden. Aktuell wird der Polo von dem Künstler Fred-Louis von Oettingen in Dortmund in seine Einzelteile zerlegt. Anschließend werden diese auf großen Platten arrangiert und in der Kölner Niederlassung in Zollstock ausgestellt – beleuchtet und auf rund 90 Quadratmetern inszeniert. Dafür gestalten wir den gesamten Kundenbereich neu.
FR: Das ist größer als meine Wohnung.
AB: Man kann es sich wie einen Modellbausatz vorstellen, mit dem man als Kind Autos oder Flugzeuge zusammengesetzt hat. Jedes Teil wird einzeln sichtbar montiert. Nur statt Kunststoffrahmen nutzen wir stabile Stahlrohre. Die Platten sind etwa vier mal sechs Meter groß. Wichtig war uns: Es wird nichts restauriert. Der Künstler übernimmt den Polo genauso, wie er ist – mit all seinen Macken.
Ab wann werden wir das fertige Kunstwerk sehen können?
AB: Voraussichtlich werden die Rahmen im Juli/August in der Niederlassung montiert. Aus der Idee ist ein großes Projekt mit Berichterstattung in Radio und Fernsehen geworden.
Zwischendurch wird auch noch einmal ein WDR Kamerateam den Entstehungsprozess im Künstler-Atelier begleiten. Es ist total schön: alle Beteiligten haben riesen Spaß an der Aktion.
Dieser Artikel erschien in der RUNDUM17 im Mai 2026
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